Eine visuell einwandfreie PDF-Tabelle kann im Screenreader unverständlich bleiben, wenn Kopf- und Datenzellen nicht semantisch ausgezeichnet sind. Prüfe zuerst, ob die Tag-Struktur aus Table, TR, TH und TD besteht und ob jede Überschrift den zugehörigen Zeilen oder Spalten zugeordnet ist. Die optische Gestaltung mit Fettschrift, Hintergrundfarbe oder Rahmen ersetzt diese Zuordnung nicht.
Warum der Screenreader den Zusammenhang verliert
Ein Screenreader benötigt nicht nur die sichtbaren Zellinhalte, sondern auch Informationen über ihre Funktion. TH kennzeichnet eine Überschriftzelle, TD eine Datenzelle und TR eine Tabellenzeile. Der übergeordnete Table-Tag fasst die gesamte Tabelle zusammen.
Fehlen diese Rollen, wird der Inhalt möglicherweise als Folge einzelner Textabsätze vorgelesen. Sind zwar Tabellen-Tags vorhanden, aber Überschriften falsch zugeordnet, nennt der Screenreader beim Navigieren unter Umständen nicht den passenden Spalten- oder Zeilenkopf. Ein Wert wie „42“ bleibt dann ohne Zusammenhang: Die hörende Person erfährt nicht zuverlässig, ob er etwa zu einer Menge, einem Monat oder einer anderen Kategorie gehört.
Die Tag-Struktur einer verständlichen Tabelle
Für eine einfache Tabelle mit einer Kopfzeile sollte die semantische Hierarchie diesem Aufbau folgen:
- Table: umfasst die vollständige Tabelle.
- TR: enthält jeweils eine vollständige Zeile.
- TH: kennzeichnet die Zellen der Kopfzeile oder eine Überschrift am Zeilenanfang.
- TD: kennzeichnet die eigentlichen Datenzellen.
Die Reihenfolge im Tag-Baum sollte der logischen Tabellenstruktur entsprechen. Innerhalb einer Zeile stehen die Zellen normalerweise in derselben Reihenfolge wie in der visuellen Darstellung. Ein bloß passender Lesefluss reicht dennoch nicht aus: Auch korrekt sortierter Text bleibt ohne Tabellenrollen semantisch mehrdeutig.
Spalten- und Zeilenüberschriften eindeutig zuordnen
Der TH-Tag allein sagt noch nicht in jedem Fall, in welche Richtung die Überschrift wirkt. Bei einer Kopfzeile muss die Überschrift den darunterliegenden Zellen derselben Spalte zugeordnet sein. Stehen die Bezeichnungen in der ersten Spalte, müssen sie auf die übrigen Zellen derselben Zeile verweisen.
In geeigneten PDF-Werkzeugen lässt sich für eine Überschriftzelle der Geltungsbereich festlegen. Die üblichen Bedeutungen sind:
- Column: Die Überschrift gilt für die Datenzellen unter ihr.
- Row: Die Überschrift gilt für die Datenzellen rechts von ihr.
- Both: Die Zelle übernimmt beide Funktionen, sofern die Tabellenlogik dies tatsächlich verlangt.
Bei einer einfachen Tabelle genügt diese Bereichszuordnung häufig. Mehrstufige Überschriften, verbundene Zellen oder mehrere Kopfbereiche können dagegen eine Zuordnung über eindeutige Überschriften-IDs und Verweise der Datenzellen erfordern. Diese Bearbeitung ist fehleranfälliger und sollte nicht durch wahlloses Setzen zusätzlicher Attribute ersetzt werden.
Tags im Quelldokument anlegen oder im PDF berichtigen
Die stabilste Lösung entsteht meist im Quelldokument. Verwende dort echte Tabellenfunktionen und markiere vorhandene Kopfzeilen als solche. Leerzeichen, Tabulatoren oder einzelne Textfelder sollten nicht dazu dienen, eine Tabelle lediglich optisch nachzubauen. Beim Export muss die Option für Dokumentstruktur-Tags beziehungsweise Barrierefreiheitsinformationen aktiviert sein; die genaue Bezeichnung hängt vom verwendeten Programm ab.
Liegt nur das PDF vor, kannst du die Struktur in einem PDF-Editor mit Tag-Bearbeitung kontrollieren. In Adobe Acrobat erfolgt die Prüfung über den Bereich für Barrierefreiheit und das Tags-Bedienfeld; die Namen und Positionen einzelner Werkzeuge können sich je nach Ausgabe unterscheiden.
- Öffne den Tag-Baum und suche den Abschnitt, der die Tabelle enthält.
- Prüfe, ob genau ein passender Table-Tag die Tabellenzeilen umfasst.
- Kontrolliere, ob jede sichtbare Zeile einem TR-Tag entspricht.
- Ändere Kopfzellen von TD zu TH, sofern sie inhaltlich echte Überschriften sind.
- Lege für jede Überschrift fest, ob sie für eine Zeile, eine Spalte oder beide Richtungen gilt.
- Vergleiche die Zellreihenfolge im Tag-Baum mit der visuellen Anordnung.
- Speichere eine neue Dateiversion und teste diese unabhängig von der ursprünglichen Datei.
Ein Tag darf nur dann geändert werden, wenn auch seine inhaltliche Rolle stimmt. Eine normale Datenzelle wird nicht allein dadurch zur Überschrift, dass sie am Anfang einer Zeile steht.
Bei komplexen Tabellen ist Vereinfachen oft der bessere Weg
Mehrere Überschriftenebenen, verschachtelte Bereiche und stark verbundene Zellen erschweren die zuverlässige Navigation. Falls eine Tabelle ohne umfangreiche Einzelzuordnungen nicht verständlich wird, kann eine Umgestaltung im Quelldokument robuster sein als eine nachträgliche Reparatur im PDF.
- Teile eine sehr breite Tabelle in mehrere inhaltlich abgeschlossene Tabellen.
- Vermeide verbundene Zellen, wenn dieselbe Aussage mit einfachen Zeilen und Spalten möglich ist.
- Formuliere Überschriften so, dass sie auch vorgelesen eindeutig bleiben.
- Entferne rein dekorative Leerzeilen und Leerspalten aus der Tabellenstruktur.
- Setze einen wiederholten Tabellenkopf auf Folgeseiten semantisch konsistent um.
Eine Tabelle, die über mehrere PDF-Seiten reicht, darf nicht versehentlich als mehrere unverbundene Strukturen ausgegeben werden, wenn sie inhaltlich zusammengehört. Umgekehrt sollten unabhängige Tabellen nicht nur wegen einer ähnlichen Gestaltung in einen gemeinsamen Table-Tag gezwängt werden.
Automatische Prüfung und Hörtest erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Eine Barrierefreiheitsprüfung kann fehlende Tags, unklare Überschriftenzuordnungen oder andere strukturelle Auffälligkeiten melden. Sie kann jedoch nicht sicher beurteilen, ob die vorgelesene Tabelle inhaltlich leicht verständlich ist. Nach der technischen Prüfung folgt deshalb ein Test mit einem Screenreader.
Navigiere dabei zellenweise statt nur mit der normalen Vorlesefunktion. Beim Wechsel in eine Datenzelle sollte die passende Überschrift angesagt werden. Prüfe mindestens eine Zelle am Tabellenanfang, eine mittlere Zelle und eine Zelle nahe dem Ende. Bei Zeilen- und Spaltenüberschriften muss erkennbar bleiben, zu welcher Kombination der jeweilige Wert gehört.
Wenn der Screenreader eine falsche Überschrift nennt, prüfe zuerst deren Geltungsbereich. Werden richtige Überschriften in falscher Reihenfolge angesagt, kontrolliere die Zellanordnung innerhalb der TR-Tags. Wird die Tabelle nur als gewöhnlicher Text wahrgenommen, fehlt wahrscheinlich die semantische Tabellenhierarchie oder sie ist unterbrochen.
Grenzen der nachträglichen Reparatur
Eine umfangreiche Tag-Korrektur direkt im PDF kann bei späteren Exporten oder erneuten Änderungen verloren gehen. Bewahre daher das bearbeitbare Quelldokument auf und übertrage die Verbesserung möglichst dorthin. So lässt sich die barrierefreie Struktur bei einer aktualisierten PDF-Datei erneut erzeugen.
Ist die Tabelle lediglich ein Bild, müssen zunächst echte Textinformationen verfügbar sein. Texterkennung allein erzeugt jedoch noch keine verlässliche Tabellenstruktur: Überschriftenrollen, Zeilen, Zellen und deren Beziehungen müssen weiterhin geprüft und gegebenenfalls aufgebaut werden. Das Ziel ist erreicht, wenn nicht nur jeder Zellinhalt vorgelesen wird, sondern bei der Navigation auch seine Bedeutung innerhalb der Tabelle eindeutig bleibt.