Werden einzelne Zeichen in einem barrierefreien PDF falsch, gar nicht oder als unverständliche Namen vorgelesen, sollte zuerst die zugrunde liegende Textebene geprüft werden. Kopiere die betroffene Stelle aus dem PDF in einen einfachen Texteditor: Erscheinen dort bereits falsche Zeichen, liegt das Problem meist bei Zeichencodierung, Schriftzuordnung oder OCR. Ist der kopierte Text richtig, sind eher PDF-Tags, Ersatztexte, Spracheinstellungen oder das Zusammenspiel mit dem verwendeten Screenreader zu untersuchen.
Der Kopiertest trennt Textfehler von Vorlesefehlern
Ein PDF kann auf dem Bildschirm korrekt aussehen, obwohl intern andere Zeichen gespeichert sind. Das sichtbare Aussehen stammt dann aus den gezeichneten Glyphen der Schrift, während ein Screenreader auf die zugeordneten Unicode-Zeichen angewiesen ist. Stimmen Glyphe und Zeichenwert nicht überein, wird beispielsweise ein Symbol als Buchstabe ausgegeben oder ein Zeichen vollständig übersprungen.
- Markiere nur die auffällige Textstelle im PDF.
- Kopiere sie in einen einfachen Texteditor ohne Formatierung.
- Vergleiche Buchstaben, Satzzeichen, mathematische Zeichen und Leerzeichen einzeln mit der sichtbaren PDF-Stelle.
- Teste dieselbe Passage zusätzlich mit einer zweiten PDF-Anwendung oder einem anderen Screenreader, sofern verfügbar.
Das Ergebnis bestimmt den nächsten Schritt: Falscher kopierter Text spricht für einen Fehler in der Textebene. Richtiger kopierter Text bei falscher Sprachausgabe spricht eher für fehlerhafte Strukturdaten, ungeeignete Ersatztexte oder eine anwendungsabhängige Interpretation.
Falsche Zeichen in der Textebene beheben
Für die zugängliche Ausgabe benötigt die PDF-Datei eine verlässliche Zuordnung zwischen den verwendeten Schriftzeichen und Unicode. Bei eingebetteten Teilmengen-Schriften oder individuell codierten Schriften kann dafür eine sogenannte ToUnicode-Zuordnung nötig sein. Fehlt sie oder ist sie fehlerhaft, kann die Darstellung weiterhin stimmen, während Kopieren, Suchen und Vorlesen scheitern.
Die Quelldatei erneut sauber exportieren
Der sicherste Weg führt in vielen Fällen über das Ausgangsdokument. Prüfe dort, ob echte Unicode-Zeichen statt optisch ähnlicher Symbole verwendet wurden. Ein typisches Problem sind Zeichen aus Symbolschriften: Ein Buchstabe wird intern gespeichert, die gewählte Schrift zeigt an dieser Position aber einen Pfeil oder ein anderes Symbol. Für Screenreader bleibt der zugrunde liegende Buchstabe maßgeblich.
Passende Anleitung öffnen →
Passende Anleitung öffnen →Ersetze solche Konstruktionen durch das tatsächlich gemeinte Unicode-Zeichen und exportiere das Dokument erneut mit aktivierter Tag-Struktur beziehungsweise der Barrierefreiheitsoption des verwendeten Programms. Das bloße Drucken in eine PDF-Datei ist dafür häufig ungeeignet, weil dabei Strukturinformationen verloren gehen können.
Ligaturen und Sonderzeichen einzeln kontrollieren
Ligaturen wie „fi“ können entweder als eigenes Zeichen oder als Folge aus „f“ und „i“ vorliegen. Je nach Schrift, Exportweg und Vorlesesoftware wird die eigenständige Ligatur nicht zuverlässig interpretiert. Ähnliches gilt für mathematische Operatoren, ungewöhnliche Aufzählungszeichen, geschützte Leerzeichen und Zeichen aus privaten Schriftbereichen.
Ersetze problematische Ligaturen in der Quelldatei durch normale Buchstabenfolgen, sofern die typografische Gestaltung das erlaubt. Bei mathematischen oder fachlichen Symbolen muss dagegen das semantisch richtige Unicode-Zeichen erhalten bleiben. Ein bloß ähnlich aussehendes Zeichen ist kein gleichwertiger Ersatz: Bindestrich, Gedankenstrich und Minuszeichen haben beispielsweise unterschiedliche Bedeutungen.
Bei gescannten Seiten die OCR-Textebene berichtigen
Besteht das PDF aus gescannten Seiten, erzeugt die Texterkennung eine unsichtbare Textebene hinter dem Bild. Verwechslungen wie „O“ und „0“, „l“ und „1“ oder falsch erkannte Satzzeichen gelangen direkt in die Sprachausgabe. Hier hilft keine Änderung der sichtbaren Schrift, sondern nur eine Korrektur der OCR-Erkennung oder eine erneute Texterkennung mit passender Dokumentsprache.
Kontrolliere nach der OCR nicht nur Fließtext, sondern auch Tabellen, Fußnoten, Formeln und Wörter mit Sonderzeichen. Der Kopiertest muss nach der Korrektur die erwartete Zeichenfolge liefern.
Wenn der kopierte Text stimmt, die PDF-Struktur untersuchen
Eine korrekte Textebene schließt Vorlesefehler nicht aus. In einem getaggten PDF können Ersatztexte, die Dokument- oder Abschnittssprache sowie die Reihenfolge der Tags beeinflussen, was ein Screenreader ausgibt.
Ersatztext für Zeichenfolgen prüfen
PDF-Tags können mit einem Ersatztext versehen sein, der anstelle des sichtbaren Inhalts ausgegeben wird. In der PDF-Technik wird dafür unter anderem die Eigenschaft ActualText verwendet. Sie ist hilfreich, wenn die sichtbare Darstellung nicht unmittelbar als sinnvoller Text auslesbar ist, etwa bei einer speziell aufgebauten Formel oder einer typografisch zerlegten Zeichenfolge.
Ein fehlerhafter oder unnötiger Ersatztext kann die korrekte Textebene jedoch überschreiben. Prüfe im Tag-Baum des Bearbeitungsprogramms, ob der betroffene Inhalt eine solche Zuordnung besitzt. Entferne sie nur, wenn der normale Text bereits die beabsichtigte Ausgabe liefert; andernfalls muss der Ersatztext den vollständigen semantischen Inhalt enthalten.
Dokument- und Abschnittssprache festlegen
Die Sprache steuert Aussprache, Betonung und teilweise die Interpretation von Zeichen. Ist ein deutscher Absatz als Englisch ausgezeichnet, können Buchstabenfolgen, Abkürzungen und Satzzeichen ungewohnt klingen. Lege eine Standardsprache für das Dokument fest und kennzeichne anderssprachige Passagen auf der passenden Strukturebene.
Die genaue Bedienoberfläche hängt vom PDF-Programm und seiner Version ab. In Adobe Acrobat sind die betreffenden Funktionen in den Bereichen für Dokumenteigenschaften, Tags und Barrierefreiheit zu finden. Entscheidend ist nicht nur eine bestandene automatische Prüfung, sondern die tatsächliche Ausgabe im Screenreader.
Artefakte und echte Inhalte auseinanderhalten
Rein dekorative Zeichen sollten als Artefakte behandelt werden, damit sie nicht vorgelesen werden. Inhaltlich wichtige Symbole dürfen dagegen nicht einfach ausgeblendet werden. Ein Warnsymbol benötigt beispielsweise eine textliche Bedeutung, während ein rein ornamentales Trennzeichen aus der zugänglichen Lesefolge entfernt werden kann.
Bei Aufzählungen sollte der Listencharakter über die PDF-Struktur erkennbar sein. Mehrfach eingegebene Sonderzeichen oder manuell gesetzte Zwischenpunkte sind kein verlässlicher Ersatz für echte Listen-Tags.
Eine Gegenprobe zeigt, wo die Reparatur ansetzen muss
- Ist das Zeichen beim Kopieren falsch, korrigiere Quelldatei, Schriftcodierung oder OCR und exportiere das PDF neu.
- Ist der kopierte Text richtig, aber mehrere Screenreader lesen ihn falsch, prüfe Tags, ActualText und Sprachzuweisungen.
- Tritt der Fehler nur in einer Anwendung auf, teste deren Vorleseeinstellungen und eine andere PDF-Anwendung. Verändere die Datei nicht vorschnell, wenn andere Programme die Stelle semantisch richtig ausgeben.
- Ist nur ein dekoratives Zeichen betroffen, kennzeichne es als Artefakt. Trägt es Bedeutung, hinterlege stattdessen eine verständliche Textalternative.
- Funktioniert die Korrektur nur optisch, aber nicht beim Kopieren, Suchen und Vorlesen, ist die Reparatur noch nicht abgeschlossen.
Automatische Prüfung und manuelle Hörkontrolle kombinieren
Eine Barrierefreiheitsprüfung kann fehlende Dokumentsprachen, ungetaggte Inhalte und manche Strukturfehler erkennen. Sie kann jedoch nicht zuverlässig beurteilen, ob jedes Zeichen in seinem fachlichen Zusammenhang richtig ausgesprochen wird. Ein Prüfbericht ohne formalen Fehler beweist daher noch keine korrekte Sprachausgabe.
Führe nach jeder Änderung drei Kontrollen durch: Kopiere die reparierte Passage, suche nach einem darin enthaltenen Sonderzeichen und höre den Abschnitt mit einem Screenreader an. Prüfe dabei auch den Satz vor und nach der Stelle, weil Worttrennung, Tag-Grenzen oder unsichtbare Leerzeichen erst im Zusammenhang auffallen.
Lässt sich die Zuordnung in einem fertigen PDF nicht zuverlässig reparieren, ist ein neuer Export aus einer bereinigten Quelldatei meist belastbarer als eine nachträgliche Einzelkorrektur. Für eine Freigabe sollte am Ende nicht nur das Zeichen selbst stimmen, sondern auch seine Bedeutung im Satz verständlich vorgelesen werden.