Für die betriebliche Ablage von PDF-Rechnungen eignet sich nicht jeder Cloud-Ordner. Benötigt wird eine Buchhaltungs- oder Dokumentenmanagementsoftware, die Originaldateien unverändert übernimmt, Zugriffe und Änderungen nachvollziehbar protokolliert und Rechnungen während der gesamten Aufbewahrungszeit auffindbar hält. Als erster Test sollte geprüft werden, ob das System eine gespeicherte Rechnung unbemerkt überschreiben oder löschen lässt. Ist das möglich, reicht die Ablage allein in der Regel nicht als belastbares Rechnungsarchiv.
Welche Softwareklasse zur Arbeitsweise des Unternehmens passt
Die passende Lösung hängt vor allem davon ab, ob Rechnungen nur für die Buchhaltung gesammelt oder in unternehmensweite Prüf- und Freigabeprozesse eingebunden werden sollen. Vier Ansätze kommen dafür infrage:
- Buchhaltungsplattformen mit Belegarchiv eignen sich für kleinere Unternehmen, die Eingangs- und Ausgangsrechnungen unmittelbar mit Buchung, Zahlung und Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei verbinden möchten.
- Dokumentenmanagementsysteme sind für größere Dokumentenmengen, mehrere Abteilungen, abgestufte Zugriffsrechte und geregelte Freigaben ausgelegt.
- Lokale DMS-Lösungen kommen infrage, wenn das Unternehmen Daten auf eigener Infrastruktur halten und Administration, Sicherung sowie Wartung selbst übernehmen möchte.
- Allgemeine Cloud- und Kollaborationsplattformen können Teil einer Archivlösung sein, benötigen aber passende Aufbewahrungsregeln, Berechtigungen und Protokollierung. Ein normaler synchronisierter Ordner genügt nicht.
Fünf verbreitete Optionen im gleichen Vergleichsraster
Eine allgemeingültig beste Rechnungssoftware gibt es nicht. Für die Auswahl zählen bei allen Kandidaten dieselben Punkte: unveränderbare Aufbewahrung, Such- und Indexfunktionen, Freigabeprozesse, Anbindung an die Buchhaltung sowie Betriebsmodell und Datenkontrolle.
DATEV Unternehmen online für die Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei
DATEV Unternehmen online ist vor allem dann naheliegend, wenn der Betrieb und seine Steuerkanzlei bereits mit DATEV arbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf digitalen Belegen und kaufmännischen Prozessen, nicht auf einem universellen Unternehmensarchiv für sämtliche Dokumentarten.
- Aufbewahrung: auf den Beleg- und Buchhaltungsprozess ausgerichtet.
- Suche: über die im System erfassten Beleg- und Buchungsinformationen.
- Freigaben: abhängig von den eingesetzten Anwendungen und eingerichteten Abläufen.
- Buchhaltungsanbindung: besonderer Vorteil im DATEV-Umfeld.
- Betriebsmodell: Cloud-Dienst; Rollen, Vertrag und genutzte Module sind vor der Einführung mit Kanzlei und Anbieter abzustimmen.
DocuWare für abteilungsübergreifende Rechnungsprozesse
DocuWare gehört zur Kategorie der umfassenden Dokumentenmanagementsysteme. Die Lösung ist interessant, wenn Rechnungen automatisch erfasst, nach Zuständigkeit verteilt, geprüft und gemeinsam mit weiteren Geschäftsunterlagen verwaltet werden sollen.
Passende Anleitung öffnen →
Passende Anleitung öffnen →- Aufbewahrung: DMS-basierte Ablage mit geregelten Dokumentzuständen.
- Suche: Indexdaten und Volltextsuche können große Bestände erschließen.
- Freigaben: für mehrstufige Arbeitsabläufe geeignet.
- Buchhaltungsanbindung: über die für das jeweilige Rechnungswesen verfügbaren Schnittstellen zu prüfen.
- Betriebsmodell: je nach gewählter Bereitstellung und Vertrag; Einführungs- und Administrationsaufwand liegen meist über dem einer einfachen Buchhaltungsplattform.
d.velop documents für ein breiteres Unternehmensarchiv
d.velop documents zielt ebenfalls auf Dokumentenmanagement und digitale Geschäftsprozesse. Das System passt eher zu Unternehmen, die neben Rechnungen auch Verträge, Personalunterlagen oder projektbezogene Dokumente in einheitlich geregelten Strukturen verwalten möchten.
- Aufbewahrung: regelbasierte Ablage im DMS-Kontext.
- Suche: über Metadaten und dokumentbezogene Suchfunktionen.
- Freigaben: in strukturierte Prozesse integrierbar.
- Buchhaltungsanbindung: die Eignung hängt von den benötigten Integrationen und deren Ausgestaltung ab.
- Betriebsmodell: Bereitstellung, Funktionsumfang und Verantwortlichkeiten müssen anhand der gewählten Variante geprüft werden.
ecoDMS für eine stärker selbst verwaltete Ablage
ecoDMS kann für kleinere und mittlere Unternehmen interessant sein, die ein Dokumentenmanagementsystem mit stärkerer Kontrolle über die eigene Installation suchen. Diese Freiheit verlagert jedoch Aufgaben wie Updates, Datensicherung, Benutzerverwaltung und Wiederherstellung auf das Unternehmen oder dessen IT-Dienstleister.
- Aufbewahrung: DMS-Funktionen statt bloßer Dateispeicherung.
- Suche: dokumentbezogene Ablage und Recherche im Archivbestand.
- Freigaben: vor dem Kauf gegen die benötigte Prozesskomplexität abzugleichen.
- Buchhaltungsanbindung: vorhandene Export- und Integrationswege müssen zur eingesetzten Finanzsoftware passen.
- Betriebsmodell: für selbst verwaltete Umgebungen geeignet; der interne Betriebsaufwand ist Teil der Gesamtkosten.
Microsoft SharePoint nur mit geplantem Aufbewahrungskonzept
Microsoft SharePoint kann Rechnungen strukturieren, mit Metadaten versehen und in Berechtigungs- oder Freigabeabläufe einbinden. Eine gewöhnliche Dokumentbibliothek ist jedoch nicht automatisch ein ordnungsgemäß eingerichtetes Rechnungsarchiv. Aufbewahrungsrichtlinien, Versionierung, Löschschutz, Protokollierung und Zuständigkeiten müssen passend konfiguriert und dokumentiert werden.
- Aufbewahrung: abhängig von Lizenz, Konfiguration und ergänzenden Compliance-Funktionen.
- Suche: stark bei sauber gepflegten Metadaten und konsistenter Ablagestruktur.
- Freigaben: gut in eine vorhandene Microsoft-Umgebung integrierbar.
- Buchhaltungsanbindung: nicht automatisch vorhanden; Schnittstellen und Prozessübergaben sind gesondert zu planen.
- Betriebsmodell: sinnvoll bei vorhandener Microsoft-Administration, aber kein fertig eingerichtetes Rechnungsarchiv allein durch das Hochladen der PDFs.
GoBD-Konformität ist keine einzelne Produkteigenschaft
Für Unternehmen in Deutschland bilden insbesondere die handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungspflichten sowie die GoBD den Rahmen. Die GoBD betreffen unter anderem Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit, Verfügbarkeit und maschinelle Auswertbarkeit steuerlich relevanter Unterlagen. Eine Software kann diese Anforderungen technisch unterstützen, sie aber nicht allein erfüllen.
Entscheidend ist der gesamte Prozess: Wie gelangt die Rechnung ins System? Wer darf sie bearbeiten? Was passiert bei einer fehlerhaften Zuordnung? Wie werden Änderungen protokolliert? Wie wird eine Rechnung für eine Prüfung bereitgestellt? Und wie lässt sich das Archiv nach einem Systemwechsel weiter lesen?
Die Bezeichnung GoBD-konform sollte nicht mit einer amtlichen Produktzulassung verwechselt werden. Maßgeblich sind die tatsächliche Einrichtung, Nutzung und Dokumentation im Unternehmen. Vor einer Beschaffung sollten deshalb die Funktionsbeschreibung des Anbieters, das Berechtigungs- und Löschkonzept, die Exportmöglichkeiten und die vorgesehene Verfahrensdokumentation geprüft werden. Aufbewahrungszeiten und Übergangsregeln können sich ändern; die zum Unternehmen passende Frist ist anhand der geltenden Fassung von Handelsgesetzbuch, Abgabenordnung und Umsatzsteuergesetz zu bestimmen.
PDF und strukturierte Rechnungsdaten gemeinsam erhalten
Bei einer einfachen PDF-Rechnung ist die empfangene Originaldatei aufzubewahren. Eine ausgedruckte oder erneut als PDF gespeicherte Kopie ersetzt das digitale Original nicht ohne Weiteres, weil Metadaten, Signaturen oder andere technische Bestandteile verloren gehen können.
Bei hybriden Formaten wie ZUGFeRD enthält die sichtbare PDF zusätzlich eingebettete strukturierte Rechnungsdaten. Beide Bestandteile gehören zusammen und sollten im ursprünglichen Container erhalten bleiben. Bei reinen XML-Rechnungen genügt es ebenfalls nicht, nur eine lesbare PDF-Ansicht zu erzeugen und die XML-Datei zu verwerfen. Das Archiv muss das empfangene Format sichern und eine spätere Prüfung ermöglichen.
Auch E-Mail-Anhänge sollten nicht dauerhaft nur im persönlichen Postfach eines Mitarbeiters verbleiben. Der geregelte Import ins zentrale Archiv verhindert, dass Rechnungen nach Kontolöschung, Personalwechsel oder Ablauf einer Postfachrichtlinie fehlen. Ob zusätzlich die begleitende E-Mail aufzubewahren ist, hängt davon ab, ob sie für Inhalt, Zuordnung oder Nachweis der Rechnung relevant ist.
Auswahl in einer festen Prüfreihenfolge
- Zuerst wird festgelegt, welche Rechnungsarten eingehen: PDF, Scan, ZUGFeRD, XML oder mehrere Formate. Das System muss die Originalformate ohne Umwandlungsverlust speichern.
- Danach wird ein vollständiger Beispielprozess getestet: Eingang, automatische oder manuelle Erfassung, sachliche Prüfung, Freigabe, Buchungsübergabe und spätere Suche.
- Im nächsten Test wird eine archivierte Rechnung zu ändern oder zu löschen versucht. Zulässige Korrekturen müssen nachvollziehbar bleiben, statt die ursprüngliche Datei lautlos zu ersetzen.
- Anschließend werden Rollen geprüft. Einkauf, Fachabteilung, Buchhaltung, Geschäftsleitung und externe Steuerkanzlei benötigen unterschiedliche Rechte.
- Ein Exporttest zeigt, ob Dokumente, Indexdaten und Protokolle vollständig und in brauchbarer Form aus dem System herausgegeben werden können. Ein Archiv ohne tragfähigen Export schafft ein erhebliches Risiko bei Anbieter- oder Systemwechseln.
- Zum Schluss werden Sicherung und Wiederherstellung erprobt. Ein vorhandenes Backup ist erst belastbar, wenn eine Rücksicherung tatsächlich funktioniert und die archivierten Rechnungen danach wieder auffindbar sind.
Die Auswahl nach Unternehmensgröße und Prozess treffen
Ein kleiner Betrieb mit enger DATEV-Zusammenarbeit benötigt häufig kein unternehmensweites DMS. Hier kann eine Buchhaltungsplattform mit integriertem Belegarchiv den kürzesten Weg von der Rechnung zur Buchung bieten. Ein Unternehmen mit mehreren prüfenden Abteilungen sollte stärker auf Vertretungsregeln, mehrstufige Freigaben, Protokollierung und Schnittstellen achten; dafür kommen DocuWare oder d.velop documents eher in Betracht.
ecoDMS ist eine mögliche Wahl, wenn eine selbst verwaltete DMS-Umgebung gewünscht ist und ausreichend IT-Kompetenz für Betrieb und Sicherung vorhanden ist. SharePoint passt vor allem dann, wenn die Microsoft-Umgebung bereits fest etabliert ist und Fachleute ein belastbares Aufbewahrungs- und Berechtigungskonzept umsetzen. Ohne diese Konfiguration bleibt SharePoint eine Kollaborationsplattform und kein automatisch revisionssicheres Rechnungsarchiv.
Vor Vertragsabschluss sollte jeder Anbieter denselben Testbestand erhalten: eine normale PDF-Rechnung, eine gescannte Rechnung, ein hybrides ZUGFeRD-Dokument und eine strukturierte XML-Rechnung. Die Lösung ist geeignet, wenn sie alle Originale vollständig übernimmt, verlässlich wiederfindet, Änderungen dokumentiert und einen unabhängigen Export ermöglicht. Diese Prüfung ist aussagekräftiger als ein pauschales Konformitätsversprechen im Produktnamen.